Tipps zur Ablösung

Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen:
Wurzeln und Flügel.
Johann Wolfgang von Goethe

Ablösung / Vorgang

Die Erfahrungen, die ein Kind in den ersten Lebensjahren macht, sind prägend. Die Spielgruppenleiterin ist für viele Kinder die erste feste Bezugsperson ausserhalb der Familie. Deshalb ist das Begleiten von drei- bis fünfjährigen Kindern eine wichtige, verantwortungsvolle Aufgabe, die hohe Anforderungen an eine Leiterin stellt. Das Wichtigste in der Spielgruppe ist die Beziehung zu den Kindern und auch den Eltern und nicht das Vermitteln von Stoff. Die Spielgruppenleiterin muss die Fähigkeit haben, auf die wechselnden Bedürfnisse der Kinder flexibel zu reagieren. Die Arbeit erfordert viel Geduld, Toleranz und Einfühlungsvermögen. Durch intensives Beobachten nimmt sie die Bedürfnisse der Kinder und Eltern wahr.

Bei der Ablösung ist das Vertrauen von der Seite der Eltern sehr wichtig:

  • Vertrauen Sie der Spielgruppenleiterin, dass sie das Beste für Ihr Kind tut
  • Vertrauen Sie Ihrem Kind, dass es diese Situation meistern wird

Die Kinder haben Zeit sich von der Mutter/vom Vater zu lösen. Sie dürfen das in der Spielgruppe lernen und müssen es nicht schon können. Vergleichen Sie Ihr Kind nicht mit anderen Kindern. Akzeptieren Sie es so, wie es ist. Jedes Kind ist einzigartig.

Bevor die Spielgruppe beginnt

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Spielgruppe. Nicht schon Wochen im Voraus. Ein paar Tage vor dem Start reichen völlig aus. Erzählen Sie ihm, wohin es gehen wird, was es dort erleben kann und dass es von der Spielgruppe immer wieder abgeholt wird.

Beim Spielgruppenstart

Am ersten Spielgruppenhalbtag können Sie den ganzen Morgen / Nachmittag in der Spielgruppe bleiben. Sie beobachten Ihr Kind und vergewissern sich, dass es ihm gut geht.

An den weiteren Tagen begleiten Sie Ihr Kind in die Garderobe, helfen ihm beim Umziehen und verabschieden sich da von ihm. Falls das noch nicht ganz klappt, machen Sie klare Abmachungen mit Ihrem Kind: z.B. Ich bleibe bis du die Finken angezogen hast, bis zum Ende des Stuhlkreises, bis zum Znüni etc.

Informieren Sie die Spielgruppenleiterin, was Sie mit Ihrem Kind abgemacht haben und wann Sie gehen wollen. Seien Sie innerlich davon überzeugt gehen zu wollen.
Sie verabschieden sich von Ihrem Kind. Jetzt ist es Zeit den Raum zu verlassen. Die Spielgruppenleiterin kümmert sich liebevoll um Ihr Kind.

Die Spielgruppenleiterin wird mit Ihnen Kontakt aufnehmen (spätestens nach 30 Minuten), wenn der Trennungsschmerz zu gross ist und das Kind sich nicht beruhigen lässt.

Während den ersten zwei Wochen ist jeweils eine zweite Spielgruppenleiterin anwesend.

Weinen ist normal. Wenn ein Kind nicht weint, bedeutet das nicht, dass es die Ablösung problemlos akzeptiert hat. Manchmal können sich auch verspätete Trennungsängste beim Kind einstellen. Das kann auch nach längeren Abwesenheiten wie Ferien, Krankheit etc. eintreten.

Wichtig ist, dass Sie sich vom Kind verabschieden und sagen, dass Sie wiederkommen. (Nicht wegschleichen!!)

Fragen Sie ihr Kind nie, ob Sie jetzt gehen können. Es wird immer mit nein antworten.

Je länger Sie bleiben, umso weniger hat die Spielgruppenleiterin die Möglichkeit Kontakt zu Ihrem Kind aufzunehmen.

Tipps von Spielgruppenleiterinnen

Helfen kann ein Abschiedsritual. Dieses sollte immer gleich bleiben, da es dem Kind Sicherheit gibt. Vielleicht packen Sie mit Ihrem Kind seinen Spielgruppenrucksack oder das Znüni.
Ein Kuscheltier, ein Tuch von Ihnen oder sonst etwas zum Trösten kann Ihrem Kind den ersten Schritt erleichtern.

Nach der Spielgruppe

Reden Sie mit Ihrem Kind über das Erlebte. Nehmen Sie die Leistung Ihres Kindes, sich von der Mutter / vom Vater zu trennen, nicht als selbstverständlich hin. Loben Sie Ihr Kind nach dem Abholen; sagen Sie Ihrem Kind, wie stolz Sie sind, dass es alleine mit den anderen Kindern einen tollen Spielgruppentag erlebt hat.

Noch ein Tipp zum Schluss

Hinterfragen Sie Ihr eigenes Verhalten.

  • Wie weit habe ich selbst Mühe mich abzulösen?
  • Bin ich überzeugt von der Spielgruppe, die mein Kind besucht?
  • Wenn nicht, woran liegt es?
  • Kann ich nur halbherzig JA sagen?
  • Habe ich Schuldgefühle, wenn ich mein Kind in der Spielgruppe betreuen lasse?